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DAS ZECHENWESEN IM INNVIERTEL
anhand des Beispiels der  K r a m m e r e r  Z e c h e

Herzlichen Dank!

Für die große Bereitwilligkeit mir so ausreichende Informationen, als auch noch erhaltenes Fotomaterial und Unterlagen zu geben.
Besonderer Dank gebührt:

Dem letzten Zechmeister der Krammerer Zeche:
Johann Hörmandinger(derzeit Weberbauer in Krammern)

Den ehemaligen. Zechenmitgliedern:     
Josef Stöger (gebürtiger Berger in Krammern, derzeit wohnhaft in Ried)
Rudolf Klambauer (ehemaliger Knecht beim Baumgartner, Murau, derzeit wohnhaft in Utzenaich)
Johann Großpointner (Altbauer auf dem Wallner-Hof in Krammern)

Es hat mich sehr gefreut, daß diese Herren trotz anderer Beschäftigungen soviel Zeit für mich geopfert haben, da ohne ihre Unterstützung das Schreiben dieser Seminararbeit unmöglich wäre.


Der Beginn des Zechenwesens

Der Wunsch eines jeden Menschen ist es, sich einer Gemeinschaft anzuschließen, gemeinsam etwas zu unternehmen, miteinander zu tanzen, zu singen.
Besonders der Jugendliche, der noch voller Lebenskraft ist, will gemeinsam etwas unternehmen, denn gemeinsam geht doch alles um vieles leichter.
Dies war wohl auch am Beginn des Zechenwesen jener Grundgedanke, der zu den Gründungen dieser Burschenschaften geführt haben dürfte.

 

 


Die Geschichte des Zechenwesens

Man muß bedenken, daß der Jugendliche früher relativ wenige Möglichkeiten gehabt hat, sich einer Gemeinschaft anzuschließen.
Gerade die Leute in der Landwirtschaft hatten es besonders schwierig und hier besonders die Knechte und Mägde, denn sie hatten weder Aufstiegsmöglichkeiten (zumindest nur in sehr begrenztem Maße) noch konnten sie so ohne weiteres heiraten. Für diese Menschen war daher die Zeche im Prinzip die einzige Möglichkeit einer Gemeinschaft.
Die Zechen spielten im Innviertel immer eine besondere Rolle. Waren es in den Städten ehedem die "Zünfte" und "Gilden", so waren es auf dem Lande die Zechen, in denen sich Gleichgesinnte zu gemeinsamen Tun zusammenfanden.
Diese Zechen lassen sich bis in das 17.Jahrhundert zurückverfolgen. Es ist dies jedoch sehr schwierig, da es fast keine Aufzeichnungen gibt über das Entstehen des Zechenwesens bzw. Unterlagen vorhanden sind von Gründungen einzelner Zechen. Die Zechen hatten also keine schriftlich festgelegten Statuten bzw. Ordnungen, was eben wiederum zu Komplikationen zwischen einzelnen Zechen führen konnte. Gleichzeitig muß aber gesagt werden, daß sich die "Zechbuam" nach gewissen Regeln (oft relativ strengen Regeln) zu halten hatten, die jedoch nur mündlich überliefert wurden.
Mit Sicherheit kann man aber sagen, daß es um 1800 schon relativ viele Zechen gegeben hat. Auch in Andrichsfurt, meiner Heimatgemeinde gab es um dieser Zeit schon drei solcher Zechen:
Die "Haselberger", die "Steinbodner" und die "Krammerer".  Die Krammerer Zeche, als die älteste in der ganzen Umgebung soll bereits vor 1750 bestanden haben. Man kann daher sicherlich leicht verstehen, daß die Krammerer bei "Kirtagen" oder Hochzeiten immer den "ersten Tanz" hatten.
Es ist schade, daß es nur sehr wenig Bildmaterial über die Krammerer Zeche gibt, so war es mir z.B. unmöglich Fotos, die bereits vor 1900 gemacht wurden aufzutreiben. Ab 1900 war es für die Zechen jedoch Gang und Gebe, daß man sich fotografieren lies.

Die Krammerer Zeche um 1920

 

Zu dieser Zeit waren die eingangs erwähnten Herrn Josef Stöger und Johann Großpointner bereits Mitglieder dieser Zeche.:
Stöger - 3. Reihe dritter v. links     Großpointner - 2.Reihe zweiter v. rechts


Aufbau einer Zeche:

Wesensmerkmale sind wie schon erwähnt die Gemeinschaft und der berühmte "Innviertler Landler", auf den ich aber noch gesondert eingehen möchte.Mitglieder waren nur männliche Jugendliche die ab ca. 16 Jahren der Zeche beitreten konnten.
Für die diversen Tanzveranstaltungen brauchte man natürlich auch Mädchen. Zu diesem Zweck wurden die Schwestern bzw. Freundinnen der "Zechbuam" eingeladen.
Die Zeche war nach einem patriachalischen System aufgebaut. Das heißt, daß ein Leiter, der sogenannte "Zechmeister" die Zeche leitete. Dieser "Zechmeister" lernte den Jungen das Tanzen und die anderen "Zechbuam" hatten sich vor ihm zu beugen. Es war natürlich nicht so, daß keiner etwas zu reden hatte, denn es war ja eine Gemeinschaft, aber in Konfliktsituationen war der Zechmeister das Oberhaupt.

Die Burschen einer Zeche standen natürlich wo es nötig war zusammen und hatten so etwas wie einen eigenen Ehrenkodex.
Bei Hochzeiten oder "Kirtagen" (Kirchweihfesten) hatte jede Zeche beim Wirt einen eigenen "Zechtisch", welcher sich im "Zechstüberl" befand. In diesem Zusammenhang sei gesagt, daß der Zechtisch in der Ecke des Zechstüberls stets der begehrterste war, da man so bei einer eventuellen "Rauferei" die beste Rückendeckung hatte.
Einheimischen Zechen kamen meist gewisse Vorrechte gegenüber auswärtigen Zechen und Zechenmitgliedern zu, unter den ersteren wiederum hatte die älteste (Krammerer Zeche) stets die "Vorhand".
Wer sich dieser Ordnung nicht einfügen wollte oder dagegen verstieß, provozierte gewissermaßen automatisch Streit.


 

Trotz der raren, schriftlichen Aufzeichnungen über das Zechenwesen, ist es mir doch gelungen eine derartige Niederschrift über die Rechte und Pflichten eines Zechmeisters ausfindig zu machen.
Niedergeschrieben wurde diese von: Karl Pointecker, Wildenau (später Ofensetzer in Ried), im Jahre 1907. Nachstehend die Wiedergabe des Originaltextes:

Was der Zechmeister alles zu thun und für Rechte hat:

  1. Mus der Zechmeister immer von den Älteren einer sein.
  2. Mus der Zechmeister Geld einkassiren, von sämtlichen Zechgenoßen.
  3. Mus der Zechmeister den Wirt mit den einkassirten Geld bezahlen.
  4. Mus der Zechmeister immer trachten, daß es bei Tisch gesellig ist, entweder daß etwas mit dem Singen geht, oder es mus von die Mentscher und mit die Mentscher erzält werden.Solten keine solchen nicht bei Tisch sein, so wird gerne vom Raufen erzält, da mus der Zechmeister hie und da von den Jüngeren, einen den Schnabel stopfen.
  5. Mus sich der Zechmeister umschaun, daß sich die Zechgesellschaft bei diesen oder jenen Bauern vor einer Hochzeit, oder sonstigen Tanz die Gesellschaft im Tanze unterrichten darf.
  6. Mus der Zechmeister die Jungen zum Tanze abrichten, er mus bei Ländler oder Steirertanz das Gsötzl gut auswendig können, damit er es den jungen Tänzern vorsagen kann.Wie zum Beispiel: 3 mal drehn, einmal drehn, Mensch einziehen., bei der Achsel nehmen, rechtts oder links umdrehn, im Kreis zam gehn, ein Hupfal macha, auf den Absatz haun usw.
  7. Mus der Zechmeister bei einer Hochzeit oder sonstigen Tanz die Jüngeren bestimmen, daß sie Mentscher herbringen, zum Beispiel sie müssen die Mentscher bei die Bauern abholen und dieselben ins Gasthaus begleiten und dem gehörigen Liebhaber übergeben.
  8. Mus oder soll der Zechmeister ein solches Mensch, welches mehrere Liebhaber haben soll, aus der Zeche verweisen.
  9. Mus oder soll der Zechmeister, wen er sonst eine Schneid hat der erste zum Raufen sein.
  10. Hat der Zechmeister das Recht, wen einer ein ganz übertriebener streitsichtiger Zechgenosse ist, daß er denselben vom Tische schaft.
  11. Hat der Zechmeister das Recht, wen sich einer zur Zeche meldet und siet ihm in der Muntur nicht gleich, oder er ist körperlich zu klein, oder sonst gar nicht schön gewachsen, so braucht er denselben nicht aufnehmen.
  12. Hat der Zechmeister das Recht, wen einer nicht schön tanzt, daß er denselben nur im zweiten Tanzboden mittanzen läst, jedoch nicht im ersten Boden; oder wie gesagt in der Hochzeitstube.
  13. Hat der Zechmeister die Pflicht und das Recht, wen ein soches Mensch bei Tische ist, welche in Muntur nicht sauber beisammen ist oder kein schönes Gesicht hat, daß er es dem Liebhaber unterbringt, er darf diese für ein zweitesmal nicht mehr zu Tisch bringen.Ja sogar hat er das Recht wen ein solches Mensch bei Tische ist, wo es nachweisbar ist, daß sie mehrere Liebhaber hat, als einen, daß er dieselbe vom Tische schaft, oder ihr statt Bier und Brot, auf ein weißes Teller ein Schübal Häu und einen Stein darauf vorstelt, oder vorstellen läst.

    Soweit die mir einzigen bekannten Aufzeichnungen, die sicherlich ein Unikum darstellen, da es an sich ja nicht üblich war, daß derartige Regeln aufgeschrieben wurden.Da diese Regeln erst 1907 aufgeschrieben wurden, ist anzunehmen, daß sie schon vorher mündlich überliefert wurden und deshalb wohl schon erheblich älter sein dürften.Ehemalige Zechenmitglieder versicherten mir, daß ihnen diese Abschrift nicht bekannt sei, sie haben jedoch als "Zechbuam" die selben Regeln in ähnlichem Wortlaut überliefert bekommen.

    Wie bereits früher erwähnt ein Handeln wider diesen Normen eine ärgere Rauferei verursachen konnte. Meist gab der Tanzboden Anstoß zu Reibereien, wenn zwei Zechen zur selben Zeit ihren Tanz haben wollten und jede den Vortritt beanspruchte. In letzter Zeit war es freilich schon seltener, daß es zu schweren Schlägereien kam, weil die nachfolgenden gerichtlichen Auseinandersetzungen immer kostspieliger wurden. Die Rechnung hatte ja dann meist der Vater zu begleichen, da die Bauernsöhne zur damaligen Zeit nicht besonders zahlungsfähig waren.
    Daß solche Raufereien aber auch teilweise tödlich endeten, kann man sich dadurch erklären, daß auch diverse "Raufwerkzeuge" wie Schlagringe, Ochsenziemer, Stemmerl und Messer Verwendung fanden.

Der Innviertler Landler

Dieser Innviertler Landler war es, der das Innviertler Zechenwesen weit über unsere Grenzen hinaus bekannt gemacht hat.
Über die Herkunft des Wortes "Landler" streiten sich die Wissenschaftler. Teilweise wird behauptet, dieses Wort kommt eigentlich nicht vom Innviertler Gebiet, sondern vom sogenannten "Landl", also jenem Gebiet, das östlich des Innviertels liegt.
Ich persönlich wage jedoch dies stark zu bezweifeln, weil Innviertler und "Landler"= Hausruckviertler nie besonders gut aufeinander zu sprechen waren. Dieses Verhältnis sei mit folgendem Trutzgstanzl gut charakterisiert:

dö Landla dö Bandla
dö Nudldrucka
wan d'Iviertla köman
mias'ns umirucka

Der Landler war einer der wichtigsten Bestandteile einer Zeche und mußte daher von jedem Burschen beherrscht werden. Es war die Aufgabe des Zechmeisters diese Kunst den jungen "Zechbuam" beizubringen.
Der Landler wurde gelernt nach der "Eicht", das ist jene Niederschrift, die jede Zeche besitzt und dadurch ihre spezielle Form des Ländlers ausdrückt. Das heißt die "Eicht" formulierte genau die Tätigkeiten, die der Bursch beim Landlertanzen zu tun hatte. Konnten die Burschen die "Eicht" auswendig, so wurde dann der Tanz intensiv geübt, damit sie mit den anderen bei den "Kirtagen" etc. mittanzen konnten. Dieses Einlernen geschah meistens in der Fastenzeit, konnte aber auch ein ganzes Jahr dauern, bis es der Bursch konnte.


Die Krammerer Eicht

 Hier folgt demnächst die Tanzbeschreibung (da Zettl) vom Krammerer Innviertler Landler


Bräuche der Krammerer Zeche

Tanz auf einem Bauernhof

Um das Gemeinschaftswesen aufrechtzuerhalten, trafen sich die Burschen und Mädchen meist einmal in der Woche auf irgendeinem Bauernhof. Weniger im Sommer, da es zu dieser Zeit meist viel Arbeit gab, sondern in der arbeitsschwachen Zeit des Winters. In der "Stubn" wurde dann meistens getanzt, was natürlich sehr wichtig war, denn man mußte ja in Übung bleiben, damit man auf Hochzeiten, Kirtagen etc. beim Landler nicht "patzte". Die Musik (Gitarre und Zither) wurde von den Zechenmitgliedern selbst gemacht. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt. Zu trinken gab es, Äpfel, gedörrte Zwetschken, Brot oder auch etwas Gebackenes wie z.B. "Bofesn" oder "Straubn". Neben dem Tanz gab es auch noch viele lustige Spiele wie "Stockschlagen", "Fußhackln", "Fingerhackln", "Gesellenvertauschen" und jede Menge andere, die alle zum lustigen Beisammensein beitrugen.
Da die Bauernstuben sehr groß waren, war es auch möglich, daß öfters 20 bis 30 Leute beisammen waren, da aber dies nur die Mitglieder einer Zeche waren, fehlten auch die sonst üblichen Raufereien. Im großen und ganzen kann man auf jeden Fall sagen, daß dies eine schöne und billige Art der Unterhaltung war.
Für jeden Bauern war es natürlich eine Ehre, wenn die Zeche zu ihm auf Tanz kam. Besonders erfreut waren natürlich jene Bauern, die viele unverheiratete Töchter zu Hause hatten.

Riadtag

Zu bestimmten Anläßen wie Roßmarkt, Faschingdienstag oder anderen Feierlichkeiten, zogen die Zechen, die Bauern und auch die anderen Leute in die Bezirkshauptstadt Ried im Innkreis, im Volksmund auch "Riad" genannt. In Ried wurde dann in den Gasthäusern fest getanzt und gezecht.

Als ehemaliges Mitglied der Krammerer Zeche weiß Josef Stöger, bekannt unter dem Namen "Beringer Sepp" (jetzt wohnhaft in Ried) folgende Geschichte zu erzählen, die sich anläßlich eines solchen Riadtages abspielte:
Es war am Weißen Sonntag des Jahres 1922, als sich mehrere Burschen aus Krammern und Umgebung abends beim Gasthaus "Zur Hölle" in Ried trafen, darunter auch Mitglieder der Krammerer- und Steinbodnerzeche, die nicht sehr gut aufeinander zu sprechen waren. Unter den Anwesenden in der Gaststube befanden sich unter anderen: Johann und Max Seifried, Dickensöhne aus Krammern, Stöger Josef (der Erzähler der Geschichte) vom Bergergute in Krammern, Karl, Michael und Franz Leitner, Grubersöhne in Irger, Johann Willinger vom Bangerlgut in Frauenedt sowie Johann Stockinger von Haderhub.
Die Mitglieder der beiden Zechen begannen, sogenannte "Trutzgstanzln" zu singen. Es kam jedoch zu keinen handfesten Auseinandersetzungen. Schon wollte man gemeinsam nach Hause aufbrechen, als plötzlich zwei Polizisten in der Gaststube erschienen und die Anwesenden aufforderten, auf die Wachstube mitzukommen. Da sich keiner irgendeines Vergehens bewußt war, kam niemand dieser Aufforderung nach. Die Polizisten versuchten daraufhin, Franz Leitner mit aufs Kommissariat zu nehmen, was wiederum die anderen Zechenmitglieder zu verhindern trachteten.

Nun zog einer der Polizisten - man befand sich inzwischen am unteren Hauptplatz - den Säbel, um damit seine Autorität zu demonstrieren. Dabei kam Stöger einem der Polizisten etwas zu nahe, so daß ihm die Säbelspitze die Nase spaltete. Das wiederum veranlaßte Michael Leitner, dem Polizisten den Säbel aus der Hand zu winden, diesem über dem Knie auseinanderzubrechen und in den Stadtbrunnen am Hauptplatz zu werfen.

Der ganze Vorfall hatte allerdings noch ein sehr unangenehmes Nachspiel. Am nächsten Morgen wurden nähmlich Karl und Franz Leitner sowie Josef Stockinger ins Bezirksgerichtsgefängnis eingeliefert, wo sie mehr als eine Woche verbleiben mußten. Auch die Gemeinde Andrichsfurt schaltete sich ein. Es kam zu einer Gerichtsverhandlung, bei der die Brüder Leitner - dank eines befreundeten Anwaltes - freigesprochen wurden. Josef Stockinger erhielt eine bedingte Strafe.

Wie sich übrigens später herausstellte, war es der damalige Besitzer des Gasthauses "Zur Hölle", der die Polizei gerufen hatte. Dieser war vor dem Ersten Weltkrieg Knecht in Irger und Mitglied der Steinbodner Zeche gewesen. Aus irgendwelchen Gründen wurde er jedoch entlassen und verlor damit auch die Mitgliedschaft bei der Zeche. Dies konnte er nicht vergessen und versuchte sich nun zu rächen, indem er die in der Gaststube anwesenden Mitglieder seiner früheren Zeche bei der Polizei "anzuschwärzen" versuchte.

Ein großes Ereignis für eine Zeche war die Hochzeit eines Zechenmitgliedes. Hier wurden von der Zeche natürlich viele Vorbereitungen getroffen. Eine solche Bauernhochzeit war bei uns immer am Dienstag. Am Sonntag vorher war das "Hochzeittragen" und das sogenannte "Hofrechten". Am Montag war das "Fertigungsfahren".

Hofrechten:

Vergleichbar mit dem heutigen Poltern. Die Zechbuam und die Dirndln gingen zum Hof des Bräutigams um zu Essen ( Schnitzel, Mehlspeisen wie "Affn", "Butterstangl" und "Bachta"). Aus Anlaß dieses Hof rechtens gab es natürlich auch Tanz.
Dem Bräutigam, der nun aus der Zeche ausschied wurde von seinen Zechkameraden eine Stubenuhr (Pendeluhr ) gekauft.
(Anm.: auch bei der heutigen Krammerer Zeche ist es Brauch, einem Zechenmitglied zur Hochzeit eine Pendeluhr zu schenken)

Fertigungsfahren:

Die Braut und die Aussteuer der Braut (dazu zählte meist auch eine gute Kuh) wurde mit einem Leiterwagen vom Hof der Braut zum Hof des Bräutigams gefahren.

Weg absperren:

Bei diesem Fertigungsfahren durfte von Jedermann die Straße mit einem Seil abgesperrt werden. Die Braut zahlte dann freiwillig Lösegeld.

Hochzeitschießen:

Dies wurde am frühen Morgen des Hochzeittages gemacht. Verwendet wurden dazu "Preßschlüsseln", Holzpfropfen und Schwarzpulver. Anschließend gab es dann eine Jause bei der Braut oder beim Bräutigam.

Nach der Trauung in der Kirche begab man sich zum "Straßer Wirt". Waren nun die Zechen am Gasthof angekommen, wurden sie von der Musikkapelle empfangen und zum Tanzboden hinaufgeleitet. Hier wurde nun die Tanzreihenfolge festgelegt. Es war natürlich üblich, daß die ortsansässigen Zechen am Anfang tanzten. Die Krammerer als die ältesten, waren in diesem Fall natürlich die ersten. Die auswärtigen Zechen mußten sich beim sogenannten "Tanzmeister" anmelden und tanzten dann nach der Reihenfolge der Anmeldungen.
Es tanzte dann jede Zeche ihren eigenen Landler (Die Musik bleibt bei den Landlern immer gleich, nur die Tanzform ist verschieden, je nach der Eicht). Wenn die Zeche ihren Landler tanzte mußte der Zechmeister schauen, daß ja kein Mädchen auf ihrem Tisch sitzenblieb. Erst wenn alle Mädchen der Zeche einen Tanzpartner hatten, durften sich die Zechbuam um die Mädchen der auswärtigen Zechen umsehen. Natürlich mußte man bevor man Tanzen ging den jeweiligen Zechmeister um Erlaubnis fragen, sonst provozierte man eine Rauferei.

Die Kranzljungfrau, die Braut und das Brautweib tanzten bei jeder Zeche mit. Konnten die Mädchen aber die verschiedenen Landler? Nun, es mußte der Zechbua den Tanz so gut beherrschen, daß er jedes Mädchen bei seinem Landler gut führen konnte.

Es gab aber auch Tänze, wo alle Gäste mittanzen konnten, dies war die sogenannte Hochzeiteicht, die der Brautführer anschaffte und dafür auch die Musik bezahlte, denn es mußte ja jeder Tanz bezahlt werden. Wenn eine Zeche tanzte war es üblich, daß die Musik nach der zweiten Eicht zu spielen aufhörte und ein Musiker rief :
      "Halb ab" -
ein Musiker sammelte sodann von den tanzenden Zechbuam Geld ein, anschließend spielte die Musik weiter.

Weiters gab es noch den Brauttanz, der ein Walzer war. Hier wurden meist einige Gstanzln gesungen. wie z. B.:
    
Die Braut die hat geheirat
und iazt is ihr Freud aus
und iazt kimmt ihr koa
junga Bua mehr ins Haus.

Her über d' Felder
und her über d'Au
dö schöna auf da Hochzeit
is dö Kranzljungfrau.
    
Brautstehlen:

Die Zechenmitglieder gingen mit ihren Dirndln, mit der Kranzljungfrau, dem Brautführer seiner Frau und natürlich mit der Braut in das Nebenzimmer des Gasthauses.
Dort wurde dann das Brautlied gesungen und anschließend Wein getrunken. (Es konnte schon einmal vorkommen, daß eine große Zeche ca. 50 l Wein trank). Dazu wurde meistens mit der Gitarre gespielt und gesungen.

Nach einer bestimmten Zeit holte der Brautführer mit der Musikkapelle die Braut zurück. Den Wein und die Musik hatte natürlich der Brautführer zu bezahlen.

Wenn die Braut und der Bräutigam auch schon heimgingen, zechten jedoch die Zechen meist noch fest weiter, manchmal sogar bis 4 Uhr in der Früh.

Ball:

Auf einem Ball war es meistens so, daß es zwei Tanzböden gegeben hat, und am ersten wurden dann meist nur Landler getanzt. Es tanzte auch hier die Zeche nur einmal ihren Landler.
Auf einem Ball gab es natürlich auch die selben Tanzvorrechte wie z. B. auf einem Nachkirtag oder auf einer Hochzeit. Auswärtige Zechen mußten sich auch hier beim Tanzmeister (Jungfrauenweiser) anmelden.

„Zamzahlen“:

 Die Zeche die auf einem Ball immer auf einem langen Tisch zusammensaß, machte stets gemeinsame Rechnung. Die Zechbuam warfen zu diesem Zweck gleich am Anfang Geld auf ihrem Tisch zusammen (Ungefähr den Gegenwert von 1 l Bier), welches der Zechmeister in Verwahrung nahm und mit dem dann die Getränke bezahlt wurden.

 Nach einem Ball ging man immer gemeinsam nach Hause, da man meistens auf einen "Raufhandel" gefaßt sein mußte. Den älteren Zechenmitgliedern stand es dann immer zu, die Mädchen (Mentscher) nach Hause zu begleiten.

Sonnwendfeuer:

Das Sonnwendfeuer entzündete die Krammerer Zeche jährlich am 24. Juni auf der "Stelzer Höhe", einem größeren Hügel zwischen Krammern und Andrichsfurt. Verbrannt wurde nur Reisig, welches im nahegelegenen Hochholz gesammelt wurde.
Nach dem "Feuerspringen" war es üblich, daß man zum "Forster", dem Bauern auf der Stelzer Höhe ging, ein Faß Bier anschlug und tanzte.

Maibaumaufstellen:

Es war üblich., daß jährlich am 1.Mai von der Krammerer Zeche ein Maibaum aufgestellt wurde. Ende April trafen deshalb die Burschen der Zeche mit ihren Mädchen beim "Grafwirt", dem Stammgasthaus der Krammerer zusammen, wo man den Baum für das festliche Ereignis schmückte.

Am 1. Mai wurde der Baum in einer kleinen Feier vor dem Grafwirt aufgestellt. Zu diesem Anlaß verkauften die Zechbuam Maibaumlose. Dieses Geld kam natürlich der Zechenkasse zugute. Der Höhepunkt war das Maibaumkraxeln, wo die jungen Burschen ihre Klettergeschicklichkeit unter Beweis stellen konnten. Nachher gab es Tanz beim Grafwirt.

Der Maibaum durfte von anderen Zechen gestohlen werden, und zwar die ersten 3 Tage und die letzten 3 Tage im Mai.

Es war für die Zeche natürlich eine große Blamage, wenn ihnen ihr Maibaum gestohlen wurde, deshalb wurde er an diesen Tagen unter strenge Bewachung gestellt. Passierte es aber trotzdem, daß der Maibaum entwendet wurde, so mußte er mit einem Faß Bier ausgelöst werden.

Preistanzen:

Dieses Preistanzen kam erst in neuerer Zeit auf, das hatte es vorher nie gegeben. Hier ging es darum, daß eine Zeche vor einer Jury ihren Ländler tanzte, der nach bestimmten Richtlinien wie Gesang, Schritt auch bei den Dirndln, Ausführung und Gesamtbild bewertet wurde. Man kann hier sicher geteilter Meinung sein und der Vollständigkeit halber möchte ich noch sagen, daß die Krammerer Zeche an einem derartigen Preistanzen nicht mehr teilgenommen hat.


Die Krammerer Zeche um 1954

Um die 50 - 60 er Jahre haben sich die meisten Zechen aufgelöst, zum Teil weil viele Dienstboten und Jugendliche von den Bauernhöfen weggezogen sind, aber auch deshalb weil sich viele andere Jugendorganisationen gebildet haben.

Die Krammerer Zeche löste sich 1957 auf.

An ihre Stelle trat die Landjugendgruppe Andrichsfurt, die im Jahre 1956 im Rahmen des Landjugendwerkes der OÖ. Landwirtschaftskammer gegründet wurde.

Auf diesem Bild ist Johann Hörmandinger, der letzte Zechmeister der Krammerer Zeche zu sehen :
1 Reihe, zweiter von rechts.



 

 

Alte Zechenmitglieder behaupten, daß es wohl das "moderne Tanzen" war, welches das Aussterben des Zechenwesens verursachten, andere meinen es war der neue Zeitgeist, die Rationalisierung in der Landwirtschaft und das Aufkommen der elektrischen Musik (Stromgitarren).
Der Heimatdichter Hans Schatzdorfer, gebürtiger Innviertler und von Experten als Nachfolger Franz Stelzhammers bezeichnet, vermag diesen neuen Zeitgeist treffend zu charakterisieren.

Unsa Zeitgeist (Gedicht von Hans Schatzdorfer)

As roast a fremda Geist an Land
dö längste Zeit schan umanand
und bringt sein Evangelium
von Gott woaß's wo a d'Bauanstubn.

Er suacht eahm lachad sein Quatier
und zahlt an billign Zins dafür.
Er tauscht all' labe Labigkeit
für'n Bauanstolz und d'Ehrsamkeit.

Iatzt tanzt da Michl und da Hans
mit 'n Menschan gspreizt an Modetanz,
an Sambä. und an Trottlfox
zon Plärrat aus da Musibox.

Da Spielmann braucht si nimma plagn
mit 'n Landlageign und Zidanschlagn.
Du herst koa Mensch, dös drübasingt
daß d'Haochzatstubn hell nachiklingt.

Koa Jugatza wird nimma laut
koan' Buabn findst, der si z'alman traut.
Da  Seppal hat sein' Gsang vohunzt
und süaßlt- nah da neuchn Kunst.

Schen langsam falln ma vo da Kraft.
A Saftal kriagn ma gstatt´n Saft.
Uns rieslt üntan Füaß´n schan
da Bodn mit´n trieböng Kaot davan.

Mir gspürn's nu nöt. Üns is nöt load
a laba Leichtsinn macht si broat
und macht üns mit sein' Nebö blind,
daweil uns 's Bluat an Körpa z 'rinnt.

0 Himmö, nütz ' dein graoße Gwalt
und schick dein' Sögn af's neuche bald
a d'Bauanstubn zon Bauanbraot:
Da fremde Geist - regiert üns z'Taod.

Mit diesem Gedicht möchte ich meine Seminararbeit schließen und ich hoffe, daß es mir gelungen ist, ein objektives Bild vom Innviertler Zechenwesen am Beispiel der Krammerer Zeche zu geben.

Johann Großpointner